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Willi Welter

Aus ErftstadtWiki
Willi Welter
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Geburtstag
Geburtsort
Gymnich
Todestag
Todesort
Krankenhaus Frauenthal

Willi Welter war Landwirt und Kommunalpolitiker, der als Ortsvorsteher von Gymnich (19761989) sowie langjähriges Mitglied des Gemeinderates Gymnich bzw. später als Mitglied des Stadtrates der Stadt Erftstadt tätig war. Er engagierte sich mehr als drei Jahrzehnte in der Kommunalpolitik, insbesondere für die CDU, und prägte das Gemeindeleben Gymnichs maßgeblich.

Leben[Bearbeiten]

Willi Welter wurde am 19.08. 1932 in Gymnich als erster Sohn und drittes von sechs Kindern der Eheleute (Johann) Josef und Margarete Welter geb. Pütz geboren. Seine familiären Wurzeln reichen mehrere Generationen bis mindestens 1755 (Christian Welter, * 17.07.1755) zurück. Großvater, Vater, Mutter und weitere Vorfahren stammten ebenfalls aus Gymnich. Sein Großvater war der Bauer Peter Reiner Welter (1854-1926), und dessen Vorfahren (Peter (1823-1899), Matthias (1785-1858) und Christian 1755-????) im 18. Jhdt. waren höchstwahrscheinlich Betreiber einer Gärtnerei, woher der Hausnamen "Järndisch" vermutlich entstanden ist.

Die Betriebsfläche der damaligen Gärtnerei erstreckte sich auf den damaligen Ortsrand bzw. die heutigen Grundstücke Haagstraße 13, 15 und 17. Das Familienhaus stand derzeit (um 1805) alleine gegenüber der Betriebsfläche auf der Ecke Sternenstraße 15/Haagstraße. Der spätere Bauernhof an dieser Stelle wurde unter Peter Reiner Welter erst im 19. Jhdt. erbaut.

Eine lateinische Inschrift im querliegenden Eichenbalken über dem hofseitigen Eingang mit der lesbaren Jahreszahl 18xx war jahrzehntelang als Baujahr angenommen worden. Eine später veranlasste Übersetzung des lateinischen Textes ergab allerdings, daß dieses Haus im Jahre 18xx nicht erbaut, sondern "von Grund auf renoviert wurde". D. h., daß das Gebäude deutlich älter sein müßte.

1968 stürzte die Giebelwand des 'Knechte und Mägde-Hauses', ein kleines Fachwerkhaus mit der heutigen Adresse "Sternenstraße 13" in einem Stück auf die Straße. Die tragenden Eichenbalken waren durchgefault, weil es die 'Wetterseite' war.

Dasselbe Schicksal wird wohl deutlich vorher dem Haupthaus (Sternenstr. 15) der 'Järndischs' gedroht haben. Denn, auf der Tranchot-Karte (Tranchot war ein ~1803 von Napoleon beauftragter Vermessungsingenieur, der das gesammte Rheinland vermessen sollte.

Auf dieser Karte ist das Haus 'Sternenstr. 15' als einzelnes Haus (ohne Bauernhof) erkennbar. Also war es noch ein einzelnes Fachwerkhaus mit der ggü. liegenden Gärtnereifläche.

Vermutlich bestand zu Zeiten Peter Reiner Welters schon die Gefahr, daß auf der Straßenecke Sternenstraße/Haagstraße die Gebäudefront durch Verfaulung der Eichenbalken die Hausfront umstürzen könnte, da das Haus auf der o. g. Ecke noch deutlich mehr dem Wetter ausgesetzt war, als dem 1968 eingestürzten Knechte-/Mägdehaus.

Jedenfalls wurde das Haupthaus (Sternenstr. 15) als Fachwerkhaus erhalten, wobei die Außenseiten allerdings durch ein Ziegelmauerwerk ersetzt wurden. Außerdem wurde um das Haupthaus mit Ziegelsteinen ein kompletter 'Viereck-Bauernhof' gebaut, der allerdings auf der Tranchot-Karte von 1803 noch als Einzelhaus zu erkennen ist. Somit ist der Bauernhof erst später entstanden, zumal im äußeren Mauerwerk Maueranker mit den Buchstaben "P" und "W" vorhanden waren. Beide Mauerankerbuchstaben existieren heute noch.

Doch zurück zu Willi Welter:

Seine große Leidenschaft, das Singen, verwirklichte er jahrzehntelang im Kirchenchor, wobei der Chorleiter Dr. Müller ihm das 'absolute Gehör' attestierte. Eigentlich wäre er lieber Opernsänger geworden. Das Talent dazu hatte er. So nahm er 1957 in Euskirchen im Reuterton-Studio eine heute noch existierende Single-Schallplatte (s. Foto) mit dem von ihm eingesungenen "Ave Maria" auf, die er bei seiner Hochzeit am 14.05.1957 in der Kirche St. Martin Friesheim als Geschenk an seine Braut, Katharina "Käthe" Froehlich (Schäfers Ketchen) abspielen ließ.

Doch als ältester Sohn (3. Kind von 6) bei 4 Schwestern und einem 8 Jahre jüngeren Nachkömmling, der zum Zeitpunkt der Hofübergabe 1957 noch nicht volljährig war, musste er zwangsweise den elterlichen Hof übernehmen und weiter führen sowie seinen Eltern eine Rente zahlen (das war damals so üblich!).

1957 heiratete er die Friesheimerin Katharina "Käthe" Froehlich (Schäfers Ketchen, von der Krahesburg (Talstraße 2). Das Paar bekam von 1958 bis 1963 zunächst 3 Kinder (Sofie, Karl-Josef, Heinz-Willi).

Ein Bauantrag zum Expandierungswunsch des Hofes im Gymnicher Zentrum wurde wegen der unmittelbar benachbarten Bäckerei Segschneider (Sternenstr. 11) aus hygienischen Gründen (Hühnerhaltung neben einer Bäckerei) vom Bauamt abgelehnt, so dass 1969 der erste Aussiedlungshof am heutigen Siedlerweg entstand. Nach dem Einzug im Juni 1970 kam Petronella (Petra) im August 1971 als 4. Kind von Willi und Käthe zur Welt.

2008 verstarb er, seine Frau Käthe folgte ihm 2013.

Politischer Werdegang[Bearbeiten]

Willi Welter war schon politisch aktiv und Mitglied des Gemeinderates, als Gymnich mit der PLZ 5044 noch kommunalpolitsch selbständig war. Mit Gründung der Stadt Erftstadt 1969 wurde er als Mitglied des Gemeinderates Gymnich in den Stadtrat der Stadt Erftstadt gewählt und war in dieser Zeit auch insgesamt 13 Jahre lang Ortsvorsteher von Gymnich. Insgesamt war er 34 Jahre lang im Gemeinderat/Stadtrat aktiv und erhielt u. a. für dieses Engagement auch 1993 das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Als herausragendstes Projekt seiner politischen Tätigkeit ist hier der Bau der heutigen L495 zu nennen. Der damalige Stadtrat hatte zwar erkannt, dass eine Verkehrsanbindung Richtung Nörvenich und Düren absolut wichtig für das künftige Industriegebiet Justus-von-Liebig-Straße sowie die Verkehrsanbindung an die BAB A61 (Anschlussstelle Gymnich) und BAB A1 (Anschlussstelle Hürth/Kierdorf) wäre. Allerdings wurde der Bauantrag abgelehnt, weil die Straße durch ein Wasserschutzgebiet führen würde. Kein Hindernis für Willi Welter! Bei einem feierlichen Empfang lernte er Oberst Overhoff, damals Leiter des Militärflughafens Nörvenich, kennen und überzeugte ihn von den Vorteilen einer km-langen Notlandebahn – etwas höher gelegen und ohne störende Brücken – eine ideale Notlandebahn für den Militärflughafen Nörvenich in einem evtl. Verteidigungsfall. Kurz danach kam vom Verteidigungsministerium die Anweisung an die Genehmigungsbehörde, dass diese Landstraße L495 in Richtung Nörvenich zu bauen sei. Im Bereich des Wasserschutzgebietes müssen nur doppelte Leitplanken und jeweils tiefe Gräben daneben realisiert werden. Die L495 und das Industriegebiet sind heute realisiert.

Vereinsleben[Bearbeiten]

Mehr als 30 Jahre lang setzte sich Willi Welter als Vizepräsident (13 Jahre unter Jakob Flohr), 14 Jahre als Präsident sowie anschließend als Ehrenpräsident für die Belange der St. Sebastianus Bruderschaft Gymnich 1139 e. V. ein, in der er 60 Jahre Mitglied war. Hier wurde er mit den höchsten Auszeichnungen bis zum Goldenen Stern für sein Wirken geehrt. Am Gymnicher Ritt nahm er mehr als 50 Jahre teil – größtenteils als Brudermeister/Vorbeter – zu Pferd. Von Jugend an nahm er aktiven Anteil an der Kolpingfamilie. Auch die aktive Mitgliedschaft in der Freiweilligen Feuerwehr Gymnich war für ihn selbstverständlich. Weiterhin stand er dem Gymnicher Kirchenvorstand über Jahre hinweg mit Rat und Tat zur Seite. Dem Förderverein des Marienhospitals Frauenthal gehörte er ebenfalls mehr als 25 Jahre an. Nach seinem Tod, 2008, waren etwa 800 Trauergäste, überwiegend uniformierte Schützenmitglieder befreundeter Vereine, anwesende Teilnehmer seiner Beisetzung.

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