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Westdeutsche Maschinenfabrik

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Westdeutsche Maschinenfabrik
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Die Westdeutsche Maschinenfabrik war ein bedeutendes Eisenbahn-Ausbesserungswerk in Liblar. Über mehrere Jahrzehnte hinweg war die Fabrik ein zentraler Standort für die Wartung, Reparatur und Herstellung von Eisenbahnfahrzeugen und -zubehör und stellte einen der wichtigsten Arbeitgeber der Region dar.

Entstehung und Entwicklung der Hauptwerkstatt[Bearbeiten]

Die Westdeutsche Maschinenfabrik ging aus der im Jahr 1896 in Köln gegründeten Westdeutschen Eisenbahn-Gesellschaft (WEG) hervor, einer Tochtergesellschaft des Bahnbauunternehmens Lenz & Co. aus Stettin. Die WEG war maßgeblich am Bau und Betrieb mehrerer Kleinbahnen im Rheinland beteiligt, darunter der Euskirchener Kreisbahnen (EKB), der Bergheimer Kreisbahn (BKB) sowie der 1913 verstaatlichten Mödrath-Liblar-Brühler Eisenbahn (MLB).

Im Zuge der Betriebsaufnahme dieser Bahnen wurde 1897 in Liblar eine zentrale Hauptwerkstatt errichtet. Die zunächst für die Instandhaltung der Fahrzeuge dieser Bahnen vorgesehene Werkstatt entwickelte sich zu einem bedeutenden Reparaturbetrieb auch für andere Bahngesellschaften wie etwa die Dürener Kreisbahn und die Brohltalbahn. Die Werkstatt verfügte bereits früh über eine breite technische Ausstattung, darunter eine eigene Metallgießerei sowie Prüfstände für elektrische Motoren und Dynamoanlagen.

Durch die Umstellung der MLB auf Normalspur im Jahr 1904 wurde es möglich, auch normalspurige Fahrzeuge auf eigener Achse zur Hauptwerkstatt zu überführen, was das Leistungsspektrum erheblich erweiterte. Im Jahr 1918 wurde die Werkstatt aus dem Konzern ausgegliedert und an die Eisenbahn-Verkehrsmittel AG (EVA) in Berlin verkauft und firmierte als „Westdeutsche Eisenbahnwerkstätten Liblar und Brühl der EVA“. Bereits ab dem 1. Januar 1919 übernahm der Ingenieur und Eisenbahndirektor Ernst Niewerth das Werk, das nun unter dem Namen Ernst Niewerth, Fabrik für Eisenbahnbedarf GmbH geführt wurde. Ab spätestens 1936 lautete die offizielle Firmenbezeichnung Westdeutsche Maschinenfabrik GmbH.

Zu den Hauptaufgaben der Maschinenfabrik gehörten neben der Reparatur und dem Umbau von Lokomotiven und Waggons auch die Fertigung von Eisenbahnbedarf wie Weichen, Schiebebühnen, Drehscheiben, Prellböcken sowie Bahnmeisterwagen. In der Hochphase war der Betrieb rund um die Uhr in drei Schichten tätig und zählte zeitweise über 120 Beschäftigte. Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg wurden verstärkt Diesellokomotiven und Dieseltriebwagen überholt. Die Werkhalle zur Diesellokreparatur wurde 1948 neu errichtet.[1][2]

Blütezeit, Niedergang und Nachnutzung[Bearbeiten]

In den Jahrzehnten zwischen den Weltkriegen sowie in den frühen Nachkriegsjahren florierte die Westdeutsche Maschinenfabrik. Sie führte Hauptuntersuchungen an zahlreichen Loktypen durch, darunter:

  • Dampflokomotiven der preußischen Staatsbahn (z. B. T 3, T 9.1, T 9.3, T 12, T 15, G 12, G 71)
  • Kriegslokomotiven der Baureihen 42 und 52
  • Diesellokomotiven der Baureihen V 20 und V 36
  • Dieseltriebwagen VT 33, VT 36.5 und VT 137

Auch Grubenlokomotiven für den Einsatz in Braunkohlegruben wurden regelmäßig gewartet. Zu den Auftraggebern gehörten insbesondere die Gruben Donatus, Liblar und Gruhl.

Trotz der vertraglichen Bindung an die Klöckner-Humboldt-Deutz AG, die den Betrieb 1958 übernahm, setzte ab Mitte der 1950er Jahre ein schleichender Niedergang ein. Gründe hierfür waren die schrittweise Stilllegung der regionalen Gruben sowie das Ende mehrerer Kleinbahnlinien wie der EKB. Die Betriebsführung durch den Klöckner-Konzern erwies sich als wenig engagiert, Investitionen blieben aus, und 1967 wurde der Betrieb schließlich geschlossen.[1][2]

In den Folgejahren wurde das Gelände durch ein Bauunternehmen sowie durch die Firma Gerhard Beitzke KG genutzt, die Kunststoffabfälle verarbeitete. Am 3. November 1981 ereignete sich ein Großbrand in der früheren Lokhalle (heute: Am Vogelsang 11), verursacht durch ein in Brand geratenes Kunststoffmateriallager. Bei den Löscharbeiten kamen die Feuerwehrleuten Friedrich Jauck und Dieter Zimmer ums Leben, als die Halle während des Einsatzes einstürzte. 2021 wurde die Jauck-Zimmer-Straße in Liblar nach den beiden Verstorbenen benannt.[2]

Heutige Situation[Bearbeiten]

Das letzte bauliche Zeugnis der einstigen Westdeutschen Maschinenfabrik ist die um 1897 errichtete Waggonhalle mit markanten, gusseisernen Rundbogenfenstern und basilikalen Formen. Bereits 1986 waren viele Relikte der Eisenbahninfrastruktur, darunter Gleisreste in Normal- und Schmalspur sowie Schiebebühnen, noch sichtbar. Der einstige Gleisanschluss an die Strecke Liblar–Horrem war bis dahin ebenfalls erhalten geblieben, wurde jedoch kurz darauf entfernt.

Im Jahr 2016 wurden weite Teile des ehemaligen Betriebsgeländes in einer Umweltstudie der Stadt Erftstadt als Industriebrache klassifiziert. Die vorhandenen Flächen sind teils versiegelt, teils begrünt, einzelne Hallen und Gebäudereste wurden noch als Lager genutzt. Im östlichen Bereich des Geländes befand sich bis Ende 2015 das Restaurant Ville Express, das aus ausrangierten Eisenbahnwaggons bestand.[2]

Literatur

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 Michael Folkers: Die Westdeutsche Maschinenfabrik in Liblar. In: Jahrbuch der Stadt Erftstadt 2002, S. 106–110.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Volkhard Stern: Die Hauptwerkstatt der Westdeutschen Maschinenfabrik in Liblar. In: Jahrbuch der Stadt Erftstadt 2025, S. 119–131.
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