Herriger Tor
Das Herriger Tor gehörte zur ehemaligen Stadtbefestigung Lechenichs und ist neben dem Bonner Tor eines der beiden erhaltenen, historischen Stadttore von Lechenich.
Beschreibung[Bearbeiten]
Bau und teilweise Zerstörung[Bearbeiten]
Das Tor wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts im Rahmen des Ausbaus einer Siedlung am heutigen Marktplatz zu einer befestigten Stadt erbaut. Die schriftliche die Ersterwähnung findet sich im Jahr 1371[1], als „Harger portze“. Die beiden Stadttore stellten zu dieser Zeit die die einzigen Zu- und Ausgänge der befestigten Stadt an der Heerstraße dar, die die Stadt mittig durchquerte, abgesehen von der so genannten „Brier portze“, der späteren „Bungarts“ Pforte im Norden des Schlosses.

Nach einer Zeichnung von Matthäus Merian von 1646 handelte es sich zu diesem Zeitpunkt bei den beiden Stadttoren um Doppeltore, bei denen den Haupttoren landseitig ein von einer Zugbrücke überspannter Graben folgte, dem ein kleineres Vortor vorgelagert worden war. Die inneren, an die Stadtmauer anschließenden Torbauten waren durch ein Fallgitter gesichert, das bei überraschenden Angriffen schnell herabgelassen werden konnte, da das Hochziehen der schweren Brücke einige Zeit beansprucht hätte. Der Eingang zur Stadtseite wurde mit Holztoren verschlossen, deren Halterungsstellen in dem heutigen Mauerwerk noch nachvollziehbar sind. Es war Aufgabe der Torwächter, die Tore zu festgesetzten Zeiten zu öffnen und zu schließen und sie bei Gefahr geschlossen zu halten. In der Nähe der Tore war jeweils eine Zollstelle eingerichtet, an der Händler einen Warenzoll und Reisende Wegezoll zu entrichten hatten.
1642 wurde Lechenich im sogenannten „Hessenkrieg“, einem Teil des Dreißigjährigen Krieges, von Angreifern unter Marschall Guébriant belagert, die zwar die Stadt, nicht jedoch das Schloss einnehmen konnten. Die zerstörten oberen Stockwerke des Herriger Tores wurden zu dieser Zeit nicht wieder aufgebaut. Im 17. und im Verlauf des 18. Jahrhunderts fanden regelmäßig notwendige Reparaturen an den baufälligen Toren statt. Schon 1709 erhielt das Herriger Tor wegen drohender Einsturzgefahr eine Befestigung durch Eisenträger. 1733 wurde die Holzbrücke am Herriger Tor als Steinbrücke erneuert und 1769 ein Teil des mit Ziegeln neu aufgebaut. In den Jahren 1787 und 1788 wurde schließlich der Stadtgraben vom Herriger Tor bis zur Frenzenstraße trockengelegt.
Restaurierung und Umgestaltung[Bearbeiten]
1853 begann die Gemeinde Lechenich im Einvernehmen mit der zuständigen Landesbehörde mit einer Restaurierung ihrer historisch wertvollen Bausubstanz. Nach der Ansicht des Lechenicher Notars und Historikers Matthias Konstantin Bendermacher wurde dabei der Entschluss der Gemeinde, den zu restaurierenden Gebäuden der Altstadt ein neugotisches Äußeres zu geben, bewusst getroffen. Im Jahre 1862 wurde das Herriger Tor daraufhin nach Plänen des Kölner Dombaumeisters Ernst Friedrich Zwirner (1802-1861) restauriert und umgestaltet. 1894 wurden die Gleise der Euskirchener Kreisbahnen durch das Herriger Tor verlegt.
Nach einer zeitgenössischen Beschreibung von Paul Clemen aus dem Jahr 1900 bestand das Tor nach der Restaurierung aus einem Unterbau mit spitzbogiger Durchfahrt und einem zweigeschossigen Überbau, der beidseitig Stufengiebel erhalten hatte und von einem Satteldach gedeckt wurde. Noch erhaltenes Material des Vorgängerbauwerks bestand aus Trachyt und Tuff. An Stelle des Trachyts wurde bei der Restaurierung Tuff benutzt und für die Eckverklammerung waren schon ursprünglich Sandsteinquader mit verwendet worden. Für die beiden Toröffnungen erwähnte Clemen in der Laibung ein schlichtes Kämpfergesims mit abgeschrägten Kanten. Im Torbogen der Feldseite befand sich wie am Osttor eine Rille für das Fallgitter. Die kleine Torhalle war im Gegensatz zum anderen Tor mit einem unverputzten Kreuzgratgewölbe ohne Rippen und Schildbögen eingewölbt worden. In der geschlossenen Süd- und Nordseitenmauer befand sich je eine flachbogige Blende. Das Obergeschoss verfügte auf beiden Seiten über ein modernes dreiteiliges Fenster mit schlanken Steinpfosten mit darüber eingelassenem schmalem Schlitzfenster, die einen nackten flach gedeckten Saal mit Licht versorgten. An der Stadtseite neben dem Torweg befand sich ein steinernes Kruzifix aus dem 18. Jahrhundert, an dessen Sockel (nach Clemen) ein dürftiges Relief der Pietà und die Inschrift D.D.A.E.V. angebracht worden war.
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Herriger Tor, Entwurf Zwirner 1860
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Herriger Straße und Tor 1901
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Herriger Tor im Jahr 1939
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Arbeiten zur vollständigen Freilegung 1965
Heutige Anlage[Bearbeiten]
Beim Ausbau der damaligen Luxemburger Straße (heute Herriger Straße) im Jahre 1901 wurde das Tor einseitig freigelegt. Da kein ebenerdiger Zugang aus der Torhalle zum oberen Stockwerk besteht, blieb das Tor in der Folge ungenutzt. 1965 wurde auch das südlich angrenzede Haus abgebrochen, wordurch das Tor seitdem auf einer Verkehrsinsel liegt.
Das von Clemen beschriebene, steinerne Kruzifix wurde später durch ein Eichenkreuz mit einer Figur des gekreuzigten Jesu aus dem Jahr 1822 ersetzt. Die Darstellung der Pietà im Sockel und die Inschrift D.D.A.E.V. wurden übernommen. Das Kreuz wurde Ende des Jahres 2007 restauriert.[2]
Bilder[Bearbeiten]
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Westseite (2014)
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Zugang zum Tor und Kragstein
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Wegekreuz
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Ältestes Mauerwerk
