Brikettfabrik Donatus
Die Brikettfabrik Donatus war eine Brikettfabrik in Liblar. Der Betrieb der Fabrikkomplexe begann ab 1892 und endete schrittweise bis zur endgültigen Stilllegung der letzten Anlagen am 30. Juni 1959.
Beschreibung[Bearbeiten]
Die erste Fabrikanlage nahm am 31. Dezember 1892 den Betrieb zur Verarbeitung der Kohle aus der angrenzenden Grube Donatus auf. In den darauffolgenden Jahren wurde die Anlage zwei weitere Fabriken erweitert, die 1895 (Fabrik II) und 1898 (Fabrik III) in Betrieb genommen wurden. Brikettfabrik und Grube wurden zu dieser Zeit zu einem der wichtigsten Arbeitgeber im strukturschwachen Liblar.
Erster Eigentümer der Brikettfabrik war die 1889 gegründete Gewerkschaft Brühl-Kölner Braunkohlenbergwerk Donatus, die die Grube Donatus betrieb. Im Jahr 1908 ging die Fabrik in das Eigentum der Rheinischen Aktiengesellschaft für Braunkohlenbergbau und Brikettfabrikation über. Ab dem 1. April 1944 wurde die Anlage an die Roddergrube AG verpachtet.
Die Stilllegung der einzelnen Fabrikteile erfolgte in zeitlichen Abständen. Fabrik I wurde bereits 1926 stillgelegt, gefolgt von Fabrik II im Jahr 1930. Die Fabrik III blieb bis zum 30. Juni 1959 in Betrieb. Der Abbruch der Fabrikanlagen fand in den Jahren 1959 bis 1960 statt.[1]
Technische Einrichtung[Bearbeiten]
Produktionsbeginn[Bearbeiten]
- Fabrik I: Nassdienst mit einer Dampfmaschine, die als Antrieb für Brecher, Siebe und Elevatoren diente. Das Kesselhaus der Fabrik I war mit vier Flammrohrkesseln ausgestattet, die jeweils über eine Heizfläche von 60 bis 70 m² verfügten und für einen Dampfdruck von 6 atü ausgelegt waren. Der Trockendienst umfasste sechs Röhrentrockner und drei Einfachpressen.
- Fabrik II: Ausgestattet mit 8 Röhrentrocknern und 4 Einfachpressen.
- Fabrik III: Eigenes Kesselhaus mit 12 Zweiflammrohrkesseln (je 98 m² Heizfläche, 6 atü Dampfdruck) sowie einen Trockendienst mit 12 Röhrentrocknern und 7 Einfachpressen.
Endausbau (Stand 1928)[Bearbeiten]
Im Jahr 1928 erreichte die Anlage ihren Endausbau. Die gesamte Brikettfabrik verfügte zu diesem Zeitpunkt über 26 Röhrentrockner, 11 einfache Pressen und 9 Zwillingspressen. Die Tagesleistung belief sich auf 1500 Tonnen Briketts. Der Landabsatz umfasste eine Ausgabe von bis zu 250 Tonnen pro Tag.
Die Kraftwirtschaft der Gesamtanlage bestand im Endausbau aus zwei Kesselhäusern. Das erste Kesselhaus nutzte 22 Zweiflammrohrkessel. Das zweite Kesselhaus enthielt 3 Steilrohrkessel mit einer Heizfläche von je 500 m², ausgelegt für 15 atü Dampfdruck. Im Maschinenhaus, das als Zentrale diente, waren zwei Gegendruckturbinen mit einer Leistung von je 1400 kW sowie Generatoren mit einer Leistung von je 2000 kVA untergebracht.[1]
Infrastruktur und Verkehrsanbindung[Bearbeiten]
Die Brikettfabrik war über Eisenbahnanschlüsse an die Staatsbahnstrecke Köln-Trier und die Euskirchener Kreisbahnen angebunden.
Werkseigene Anschlussbahn (Stand 1958)[Bearbeiten]
Die Anschlussbahn der Brikettfabrik wurde im Jahr 1892 konzessioniert. Sie besaß ein Anschlussgleis zum Westende des Bahnhofs Liblar an der Staatsbahnstrecke. Das Unternehmen führte einen eigenen Bahnbetrieb mit Dampflokomotiven, bei dem eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h und eine zulässige Achszahl von 120 vorgegeben waren.
Das Gleisnetz der Fabrik bestand aus verschiedenen Spurweiten, für die entsprechende Verladeanlagen vorhanden waren:
- Normalspur (1435 mm): Die Gesamtgleislänge ist nicht bekannt. Der Fabrikbahnhof verfügte über 8 Gleise, 11 einfache Weichen, 1 Dreiwegweiche sowie eine Straßenbrücke. Es gab eine niveaugleiche Kreuzung mit dem 1000-mm-Gleis der Euskirchener Kreisbahn.
- Schmalspur (1000 mm): Für den Anschluss an das Gleisnetz der Euskirchener Kreisbahn existierten Gleisanlagen in Meterspur mit 2 einfachen Weichen und einer niveaugleichen Kreuzung mit dem Normalspurgleis.
- Schmalspur (900 mm): Da der Tagebaubetrieb rasch nach Süden fortschritt, wurde die Einrichtung eines neuen Rohkohlenbunkers notwendig, der sich relativ weit vom Werk entfernt befand. Für dessen Anbindung wurde ein 900-mm-Gleisnetz eingerichtet.
Zu den Betriebsmitteln der Bahn gehörten neben den Dampflokomotiven vier Gleiswagen sowie Seilzuganlagen.[1]
