Wilhelm Heinrich Josef Amfaldern
Wilhelm Heinrich Josef Amfaldern war ein Bäcker und Gastwirt in Liblar. Er wurde 1880 zusammen mit seiner Ehefrau ermordet.
Wilhelm Heinrich Josef Amfaldern war der Sohn eines Schneiders aus Erkelenz. Er war verheiratet mit Magdalena Hansen (* 1818 in Neurath), die Heirat erfolgte am 15. März 1864 in Liblar. Das Ehepaar betrieb in Liblar eine Bäckerei mit zugehöriger Gastwirtschaft,[1] und zwar in der Nähe des Marienplatzes, heute Carl-Schurz-Straße 29.
Am 28. Februar 1880 wurde das Ehepaar ermordet aufgefunden. In den folgenden Jahren wurden mehrere Verdächtige vernommen, der Täter wurde allerdings nicht gefunden. Geraubt wurden "5400 Mark Geld, Uhren, Pretiosen [Kostbarkeiten, Edelsteine, Geschmeide] und Leinewand".[2]
Presseecho[Bearbeiten]
Der Fall war oft Thema in der regionalen und überregionalen Presse.
Febr. 1880: Doppelmord in Liblar[Bearbeiten]
- 28.2.1880: Marktleute, welche heutige Morgen von Liblar hier eintrafen, berichten, daselbst habe sich in der vorigen Nacht ein Doppelmord vollzogen. Ein Bäckermeister wurde in der Backstube vermittelst einer Axt erschlagen, seine Frau im Bett. Es handelt sich nicht um einen Raubmord; denn man vermißt keine Werthsachen.[3]
- 6.3.1880: Letzter Tage wurde in Folge eines in Liblar stattgehabten Doppelmordes ein Hefenhändler von Brühl, welcher dem erschlagenen Bäckermeister die Hefe geliefert hat, verhaftet und gefänglich hier eingebracht. Von hier wurde der Arrestant nach Bonn befördert, in dessen Landgerichtsbezirk Liblar gehört.[4]
- 12.4.1880: Als des Raubmordes an den Eheleuten Amfalder in Liblar dringend verdächtig wird von der Staatsanwaltschaft ein Individuum verfolgt, das am Morgen nach der That, am 27. Februar, in der Richtung von Hürth nach der von Liblar nach Köln führenden Chaussée sich begeben und von dort bis zum Weierthor in Köln das Gefähr eines Miethkutschers benutzt hatte. Beim Gehen schlug der Betreffende das Bein ein, und es wird vermuthet, daß derselbe Bäcker ist. Er trug an dem erwähnten Tage seine rechte Hand unausgesetzt in der Hosentasche und besaß ein mit vielem Gelde gespicktes schwarzledernes Portemonnaie, wie es Händler und Metzger zu besitzen pflegen. Derselbe ist ungefähr 35 Jahre alt, ca. 5 Fuß 7 Zoll groß und von schlanker Statur. Er spricht den Kölnischen Bauerndialect.[5]
- 16.4.1880: Bonn, 14. April. Der Polizei ist es laut der „Deutschen Reichsztg.“ gelungen, das des Raubmordes an den Eheleuten Amfaldern Liblar dringend verdächtige Individuum dingfest zu machen. Der Betreffende ist nicht, wie vermuthet wurde, aus der Gegend von Köln, sondern aus der Solinger Gegend, hat aber in den letzten Jahren in Köln gewohnt, wodurch sich die frühere Angabe, das derselbe den Kölnischen Bauern=Dialect spreche, erklären läßt.[6]
- 3.5.1880: [Die hiesige Staatsanwaltschaft) erläßt abermals einen Steckbrief gegen den muthmaßlichen Mörder derEheleute Amfaldern zu Liblar. Als der That verdächtig wird der 35jährige Faßbinder Ferdinand Göbbels von M.-Gladbach bezeichnet und hinzugefugt, daß die königliche Regierung zu Köln eine Belohnung von 300 Mark auf die Entdeckung des Mörders gesetzt hat.[7]
- 18.5.1880: Der von mir unter dem 7. Mai 1880 gegen den mutmaßlichen Mörder der Eheleute Amfaldern in Liblar erlassene Steckbrief erleidet insofern eine Modification, als die von mir verfolgte Persönlichkeit nicht, wie vermutet worden, der Faßbinder Ferdinand Göbbels von München-Gladbach ist. - Bonn, den 14. Mai 1880 - Der erste Staatsanwalt[8]
- 27.6.1880: Aus Lechenich, 24. Juni, schreibt man der „Eusk. Ztg.“ in Bestätigung einer bereits aus Köln mitgetheilten Notiz: Die Diebe, welche den Einbruch bei dem Gerbereibesitzer Herrn Thenee in der Nacht vom Sonntag ausgeführt hatten, sitzen bereits in Köln hinter Schloß und Riegel. Den Bemühungen des Bestohlenen und den Recherchen der Kölner Polizeibehörde ist es zu verdanken, daß drei berüchtigte Bursche, welche derzeit in Köln ihren Aufenthalt haben, dieses Diebstahls überführt, zur Verantwortung gezogen werden können. Ein Theil des gestohlenen Leders wurde bei einem Althändler, der auch zugleich das Schusterhandwerk betreibt, aufgefunden; einen Rest hatte man auf dem Fuhrwerk in Beschlag genommen, mit welchem der Raub fortgeführt worden war. Auffallend ist es jedenfalls, daß sich unter den Subjekten ein Mensch befindet, der in früheren Jahren bei den in Liblar erschlagenen Amfaldern als Bäckergeselle gedient hat. Es liegt die Vermuthung nicht fern, der Erwähnte könne mit dem fraglichen Raubmorde in Beziehung gebracht werden, und wäre es in der That eine Genugthuung für das empörte menschliche Gefühl, wenn endlich die Mörder der unglücklichen Amfaldern entdeckt würden.[9]
- 14.7.1880: Heute Morgen wurde von der Polzei ein junger Mann aus Gymnich über Köln nach Bonn transportirt, auf welchem der Verdacht ruht, bei dem Doppelmord in Liblar mitgewirkt zu haben und zwar in hervorragender Weise.[10]
- 15.7.1880: In den letztenTagen sind hier zwei Individuen aus der Gegend von Liblar gefänglich eingebracht worden, gegen welche, wie man hört, der Verdacht vorliegen soll, zu dem an den Eheleuten Amfaldern verübten Raubmord in Beziehung zu stehen.[11]
- 9.4.1881: Ein Handelsmann aus Pingsdorf, zuletzt in Raderthal wohnhaft, wurde auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft zu Bonn wegen Verdachts der Teilnahme an dem vor längerer Zeit an einem Ehepaar zu Liblar verübten Morde verhaftet.[12]
- 9.4.1881: Verhaftungen. Der nach dem gestrigen Polizei-Berichte wegen Verdachts des Mordes verhaftete Mann aus einem benachbarten Orte ist ein Handelsmann aus Pingsdorf bei Brühl, welcher zuletzt in Radertahl gewohnt hat. Er wurde auf Requisition der Staatsanwaltschaft zu Bonn wegen Theilnahme an dem vor Jahr und Tage in Liblar stattgehabten Doppelmorde verhaftet. Bis jetzt wurden schon 7 Personen wegen Theilnahmean dem betreffenden Morde gefänglich eingezogen, von denen die meisten noch in Bonn in Haft sind.[13]
- 21.4.1881: Ein Handelsmann aus Pingsdorf, zuletzt in Raderthal bei Köln wohnhaft, wurde auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft zu Bonn wegen Verdachts der Theilnahme an dem vor mehr als einem Jahre an einem Ehepaar zu Liblar verübten Morde verhaftet. Das Dunkel, das sich seit einem Jahre über diese Mordthat gelagert, hellt sich auf, und die Uebelthäter werden von der rächenden Nemesis ereilt. Die Veranlassung zur Entdeckung soll die gewesen sein, daß ein Mann auf seine Frau schlug und diese laut ausrief: „Willst Du es mir machen, wie Du es in Pingsdorf gemacht hast?“ Die Nachbarn, welche dies hörten, machten von dem Vorgange Anzeige, und die vorgenommene Untersuchung hatte die Verhaftung eines Beschuldigten zur Folge. Ein zweiter ist geflohen.[14]
- 18.10.1882: Vor längerer Zeit wurde in Liblar bei Lechenich ein grauenhafter Doppelmordverübt. Man fand nämlich eines Morgens einen Bäcker und seine Frau, ein schon bejahrtes Ehepaar, in der eigenen Wohnung erschlagen, die Leiche des Mannes in der Backstube, die der Frau im Bett. Jetzt erst soll der Verdacht hinsichtlich der Thäterschaft bestimmte Umrisse angenommen haben und ein Ehepaar dieserhalb in Untersuchungshaft genommen worden sein.[15]
- 26.1.1884: Brühl, 24. Jan. Vor ungefähr drei Jahren wurde bekanntlich in dem benachbarten Liblar ein Raubmord an den Eheleuten Amfalder verübt, ohne daß bis jetzt die Thäter entdeckt wurden. Zwar wurden verschiedene Verhaftungen vorgenommen, jedoch mußten die Betreffenden jedesmal wegen Mangels an Beweisen entlassen werden. Endlich scheint jedoch auch das Dunkel über dieser Mordthat sich zu lichten. Einem Gerüchte nach hat nämlich eine alte Frau auf dem Sterbebette bekannt, daß sie unfreiwillige Zeugin des Mordes gewesen und durch eine Geldsumme zum Schweigen bewogen worden sei. Jedenfalls wird es allen Bewohnern hiesiger Gegend zur Beruhigung gereichen, wenn endlich die Sache aufgeklärt wird.[16]
- 26.5.1884: Am Samstag wurde in Liblar ein Mann verhaftet und nach Bonn in Untersuchung abgeführt, der verdächtig ist, in ersterem Orte vor längerer Zeit an einem Bäcker und dessen Frau einen Doppelmord begangen zu haben.[17]
- 28.5.1884: Liblar, 25. Mai. Der „Dtsch. Rztg.“ schreibt man von hier: Bekanntlich setzte der im Jahre 1881 hierorts begangene Doppelmord, verübt an den Eheleuten Armfalder, die hiesige Gegend in nicht geringe Aufregung. Die Gerichtsbehörde entfaltete große Anstrengung; es wurde eine Belohnung auf die Entdeckung des Thäters ausgesetzt, es kam auch Kunde von der Festnahme des einen oder anderen verdächtigen Individuums, aber das Dunkel, das über der grausigen That lagerte, wurde nicht gesichtet. In der letzten Zeit vernahm man überhaupt nichts mehr in dieser Angelegenheit. Daß die Untersuchung indeß nach wie vor, wenn auch stille, thätig gewesen ist, beweist die hier erfolgte Verhaftung des Bäckers Paul W., des eigenen Schwiegersohns der Ermordeten, gegen den jedenfalls schwere Verdachtsmomente vorliegen müssen, da sonst seine Verhaftung nicht erfolgt wäre. Derselbe ist auch kurz nach der That in die Untersuchung verwickelt gewesen.[18]
- 29.5.1884: Bonn, 28. Mai. Zu der schon gemeldeten Verhaftung eines Bäckers aus Liblar wegen des dort vor Jahren begangenen Doppelmordes ist nachzutragen, daß ein zweiter Bewohner aus Liblar, der auch an der Mordaffaire betheiligt sein soll, in das hiesige Arresthaus gebracht worden ist.[19]
- 6.6.1884: Der zweite wegen des Doppelmordes zu Liblar eingezogene Mann, ein Schlosser, ist am Samstag Nachmittag wieder auf freien Fuß gesetzt worden, während der Schwiegersohn der Ermordeten in Haft verblieben ist.[20]
- 29.8.1884: Bonn, 28. August. Gestern wurde der s.Z. verhaftete Bäcker W. aus Liblar, welcher im Verdachte stand, bei der Ermordung seiner Schwiegereltern betheiligt gewesen zu sein, aus der Haft entlassen.[21]
- ↑ Heiratsurkunde, Bürgermeisterei Liblar
- ↑ Kontinuität und Wandel auf dem Lande - Dissertation von Frank Bartsch
- ↑ Allgemeiner Anzeiger für Rheinland-Westphalen : Organ für Handel, Gewerbe, Verkehr und Anzeigen, 28.2.1880, S.3
- ↑ Kölnische Zeitung, 6.3.1880, S.6
- ↑ Bonner Zeitung, 12.4.1880, S.2
- ↑ Bergische Zeitung, 16.4.1880, S.5
- ↑ Rhein- und Ruhrzeitung : Tageszeitung für das niederrheinische Industriegebiet und den linken Niederrhein, 3.5.1880, S.3
- ↑ Kölnische Zeitung, 18.5.1880, S.3
- ↑ Bonner Zeitung, 27.6.1880, S.2
- ↑ Allgemeiner Anzeiger für Rheinland-Westphalen : Organ für Handel, Gewerbe, Verkehr und Anzeigen, 14.7.1880, S.3
- ↑ Allgemeiner Anzeiger für Rheinland-Westphalen : Organ für Handel, Gewerbe, Verkehr und Anzeigen, 15.7.1880, S.3
- ↑ Kölnische Zeitung, 9.4.1881, S.6
- ↑ Kölner Nachrichten, 9.4.1881, S.1
- ↑ Solinger Kreis-Intelligenzblatt , 21.4.1881, S.2
- ↑ lar&issuepage=3 Allgemeiner Anzeiger für Rheinland-Westphalen : Organ für Handel, Gewerbe, Verkehr und Anzeigen, 18.10.1882, S.3
- ↑ Rheinischer Merkur : Kölnische Landeszeitung, 26.1.1884, S.2
- ↑ Allgemeiner Anzeiger für Rheinland-Westphalen : Organ für Handel, Gewerbe, Verkehr und Anzeigen, 26.5.1884, S.3
- ↑ Rheinischer Merkur : Kölnische Landeszeitung, 28.5.1884, S.3
- ↑ Rheinischer Merkur : Kölnische Landeszeitung, 29.5.1884, S.3
- ↑ Bonner Volkszeitung. 1882-1906, 6.6.1884, S.3
- ↑ Bonner Volkszeitung, 29.8.1884, S.3