Gasthaus (Weilerswister Straße 13)
Das Gasthaus in der Weilerswister Straße 13 (früher Kirchgasse 172) ist ein Gebäude in Friesheim.
Geschichte[Bearbeiten]
Das genaue Erbauungsjahr bzw. Eröffnungsdatum des Gasthauses ist nicht schriftlich belegt. In einem Konzessionsgesuch aus dem Jahr 1921 gab der damalige Bürgermeister Hubertus Cader an, dass in dem Gebäude bereits seit 1816 eine Gastwirtschaft betrieben werde. Die Architektur des Hauses stützt eine Datierung in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts: Die symmetrische Fassade mit mittigem Eingangsportal und großen Rechteckfenstern weist Merkmale des Klassizismus auf.
Im Gegensatz zu anderen Friesheimer Gaststätten verfügte das Gebäude historisch nicht über einen Saal. Ein Grundriss aus dem Jahr 1922 dokumentiert die damalige Raumaufteilung. Im Erdgeschoss befanden sich links ein kleiner Anbau mit einem Haushaltswarengeschäft, eine Küche und das Wohnzimmer der Betreiber. Rechts lagen die Wirtsstube, ein Separée und ein Kegelzimmer. Die Fremdenzimmer für Gäste waren im ersten Obergeschoss auf der linken Seite untergebracht.[1]
Betreiberhistorie[Bearbeiten]

Der erste namentlich bekannte Wirt war Johann Otto Fröhlich, der den Betrieb von mindestens 1880 bis 1891 führte, bevor er eine neue Gaststätte am heutigen Hubert-Vilz-Platz eröffnete.
Am 9. November 1891 übernahm Adam Kleefisch die Wirtschaft. Unter seiner Führung etablierte sich der Name „Gasthaus zur Post“, da ab 1898 eine Poststation im Haus nachweisbar ist. Das genau Datum der Benennung ist aber nicht überliefert. 1896 wurde in Quellen eine Kegelbahn erwähnt. Kleefisch betrieb parallel dazu zwischen 1895 und 1913 eine Schankwirtschaft im Friesheimer Bahnhofsgebäude.
Nach Kleefischs Tod 1921 folgte eine Phase häufiger Pächterwechsel:
- 1921–1922: Der Metzger Theodor Kau erwarb das Anwesen, richtete eine Ochsen- und Schweinemetzgerei sowie ein Schlachthaus im Hof ein. Er verstarb im Oktober 1922.
- 1929–1931: Der Betrieb wurde durch Andreas Kolvenbach und später durch den Eigentümer und Elektrotechniker Johann Hünseler geführt.
- 1932–1948: Der Metzgermeister Peter Pinnen pachtete das Lokal und nutzte das vorhandene Schlachthaus.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gasthaus aufgrund des fehlenden Saals weniger stark für die Einquartierung von Soldaten genutzt als andere örtliche Wirtschaften. Stattdessen diente es vermehrt als Versammlungsort der Friesheimer Schützengesellschaft. Im Januar 1940 wurde die Wand zwischen Kegelbahn und Gastzimmer durchbrochen, um Schießübungen zu ermöglichen.
In der Nachkriegszeit wechselten die Pächter erneut mehrfach. Auf Peter Pinnen folgten Max Stockem (1948–1953) und der Friseur Christian Schäfer, der im linken Anbau einen Salon einrichtete. In den 1960er Jahren führte die Familie Berchem das Lokal als Pächter. Ende der 1960er Jahre erwarb Helmut Pritz das Gebäude. In den 1970er Jahren wurde die historische Kegelbahn abgerissen und 1978 eine Genehmigung für einen Imbissbetrieb im linken Anbau erteilt. Pritz verpachtete den Thekenbetrieb an Peter Steckenborn und an 1977/78 an Elfriede Altenkirch.
Im Jahr 1980 übernahm Ines Borgwaldt die Gaststätte. Nach umfangreichen Renovierungen erfolgte an Weiberfastnacht 1981 die Eröffnung als „Club Westminster“. Die weiße Stuckfassade des Haupthauses wurde bei einer Sanierung 1992/93 entfernt und das ursprüngliche Fachwerk wieder freigelegt.[1]
- Weitere Informationen: → Westminster
Literatur
- Philipp Gatzen: Das Westminster. Eine Friesheimer Institution und seine Geschichte. In: Jahrbuch der Stadt Erftstadt 2022, S. 119 (Hrsg. Stadt Erftstadt)
